Roxy Music
Ladytron - Old Grey Whistle Test, 1972
Bryan Ferry will ursprünglich bildender Künstler werden. Er ergreift die Chance und studiert an der Art School in Newcastle in der Klasse von Richard Hamilton, dem Gründervater der Pop Art.
*Bryan Ferry: “Er ( Richartd Hamilton ) war ein großer Fan des Motown-Sounds, von Girl-Groups wie The Shirelles oder The Supremes. Das war alles neu, faszinierend und herausfordernd: Die amerikanischen Autos, die Bilder auf den Werbeplakaten, die Pin-up-Mädchen, das visuelle Repertoire der Pop Art. Es gab eine starke Verbindung zwischen der Universität von Newcastle und den US-Künstlern, die vor allem in New York lebten. Einige meiner Künstlerfreunde arbeiteten mit Andy Warhol und Claes Oldenburg. So war man näher am US-Geschehen dran als die Leute aus London.
Roxy Music war der Versuch, meine beiden großen Leidenschaften, bildende Kunst und Popmusik unter einen Hut zu bringen. Neben amerikanischem Rock hatte ich viel John Cage gehört, der intensive Beziehungen zu Künstlern wie Jasper Johns unterhielt. In den späten Sixties lud man mich zu einem Abendessen ein, bei dem auch Cage anwesend war. Im Gespräch mit diesem Komponisten realisierte ich plötzlich, dass ich meine Kunst auch im Rahmen der Musik verwirklichen könnte. So begann ich Songs zu schreiben, fand die Leute, die schließlich den Kern der Band Roxy Music ausmachten: den Oboisten und Saxofonisten Andy Mackay, den Gitarristen Phil Manzanera “.
1971 gründet Bryan Ferry die Band Roxy Music mit dem Saxofonisten Andy MacKay, der wenig später den experimentellen Nichtmusiker Brian Eno in die Band holt.
*Bryan Ferry: “Brian Eno schaute am Anfang nur vorbei, um unsere Musik aufzunehmen, weil wir kein eigenes Tonbandgerät hatten. Er kam, sah und blieb. Denn wir verfügten schon damals über einen VCS-3-Synthesizer, der lockte ihn wohl an… als er den Synthesizer schließlich in seinen Klauen hatte, konnte er ihm schnell eine Vielzahl von Geräuschen entlocken, die bestens zur Musik von Roxy Music passten.”
Ich lieferte meist das Grundgerüst, aber danach arbeiteten wir eng zusammen. Jeder trug Ideen zur Entwicklung der Songs bei, bis wir alle zufrieden waren. Ich sah mich weniger als Komponisten, eher als eine Art Klangregisseur. Manchmal sang ich Andy oder Phil Ideen für ein Solo vor, und sie formten daraus mit ihren Instrumenten eine Klanggestalt.
Wir klangen völlig anders als die Songs, die damals in den Charts waren. Da waren meine Prägungen durch Jazz, R&B und sogar die Showbiz-Musik von Cole Porter und Irving Berlin, Fred Astaire und Gene Kelly. Andy Mackay brachte seine detaillierten Kenntnisse der Klassik ein, Eno wiederum war ein großer Kenner von Terry Riley und der amerikanischen Minimal Music”.
Mit ihrem selbstbetitelten Debütalbum “Roxy Music” liefert die Band 1972 ein durchgestyltes Gesamtkunstwerk ab. Roxy Music kreieren aus Vorgefundenem eine akustisch visuelle Collage. Versatzstücke aus Be-Bop, Swing, Jazz, Klassik, Geräuschgebilden, Rockn-Roll, Country, und Metall-Riffs werden zu einem Klangbild arrangiert, das es bis dahin in der Popmusik nicht gibt. Der Modedesigner Anthony Price, den Ferry während der Aufnahmen kennenlernt, entwirft dazu die Kleidung und das ikonographische Klappcover des Albums im Hollywood-Chic .
*Bryan Ferry: “Für den Anfang des Songs “Ladytron” ( zweiter Song auf der A-Seite des Debütalbums ) sagte ich zu Eno: Es muss so klingen, als wäre man auf dem Mond: Eine lunare Landschaft, darüber die endlose Weite des Alls. Brian fummelte am Synthesizer herum und fand den perfekten Sound, der tatsächlich wie ein Klangsignal vom Mond erschien…”
*profil 19.06.2013



Danke Dir dass ich einen Klassiker der Musikgeschichte durch Dich kennenlernen durfte